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Im Mai 2011 bin ich nach 6 Jahren in Irland zurück nach Deutschland gezogen und habe diesen Blog eingestellt. Mein neuer Blog heißt Geist und Gegenwart und ist unter www.geistundgegenwart.de zu erreichen.

Sonntag, 29. Januar 2012

Samstag, 2. April 2011

Wo Arbeitszeit verfügbar ist und Werbefläche knapp

Schilderhalter am Samstag in der Grafton Street
Wenn man in Dublin - zum Beispiel in der beliebten Einkaufsstraße Grafton Street - umhergeht, wird man neben den Straßenkünstlern auch Männer stehen sehen, die ein Schild festhalten. Es sind Werbeschilder, die auf eine Galerie hinweisen oder ein Restaurant oder Friseurgeschäft. Mich hat es immer fasziniert, dass Menschen solche Arbeit machen, die darin besteht, mit einem Schild in dieser strömenden Menschenmasse still zu stehen. Ich frage mich, ob der Erfolg solcher Werbemaßnahmen gemessen wird. Also: Wie viele Menschen lassen sich im Laufe eines Tages von solch einem Schild verleiten, zum Friseur zu gehen? Und wie viel verdient der Schildhalter? Am Ende: Wie viele Menschen muss so ein Schildhalter pro Tag zum Friseur "schicken", damit er sich lohnt? Die Schildhalter scheinen mir auch gar keinen Einfluss auf den Erfolg ihrer Werbemaßnahme zu haben. Denn sie stehen einfach nur da. Manche Schildhalter machen nicht einmal das. Sie sind besser ausgerüstet, zum Beispiel mit einem Angelhocker und vertreiben sich die Zeit mit einem Buch. Ein anderer, den ich heute sah, lehnte an einer Laterne, an die er sein Schild gebunden hatte und spielte mit seinem Handy. Ich glaube so ein Beschäftigungsmodell funktioniert nur da, wo Arbeitszeit billiger und verfügbarer ist als Klebefläche für Werbeposter.

Donnerstag, 24. März 2011

Volksbefragung 2011

Ausschnitt aus dem Formular
In diesem Jahr gibt es in Irland eine Volksbefragung, den Census. Heute gegen 19:00 stand plötzlich eine Frau vor der Tür und ich dachte, es ist wieder die irische GEZ. Aber sie brachte nur den Fragebogen für die Volksbefragung vorbei und sagte mir, wann sie ihn wieder abholen würde. Ich war erstaunt, dass sie überhaupt bis zu mir vorgedrungen war. Schließlich kommt man an meine Tür nur durch den verschlossenen Hinterhof. Es gibt keine Klingel und klopfen hilft auch nichts. Aber in Irland muss man als Volksbefragungsverantwortliche eben erfinderisch sein.

Die Fragen sind interessant:
  • Gesundheitszustand
  • Wie viele Autos
  • Internetanschluss
  • Heizungs-, Wasser- und Kanalisationsanschluss
  • Anzahl der Zimmer und Mietpreis
  • Nationalität und Sprachen
  • Geburtsdatum
  • Familienstand und Kinder
  • Ethnische Hintergründe
  • Religionszugehörigkeit
  • Arbeitgeber und Position
  • Arbeitsweg und -beginn
  • Bildungsabschluss
  • und einiges mehr
Hat man das Formular entgegen genommen, so ist man gesetzlich verpflichtet, es wahrheitsgemäß auszufüllen. Ansonsten muss man - so heißt es auf dem Deckblatt - bis zu €25000 Strafe zahlen. Angeblich werden alle Angaben streng vertraulich behandelt und nur zu statistischen Zwecken ausgewertet. Warum man dann meinen vollen Namen und die komplette Anschrift meines Arbeitgebers wissen will, weiß ich nicht.

Das ganze Formular ist 24 Seiten stark, allerdings muss man nur 6 ausfüllen, wenn man alleine wohnt. Ich habe etwa 10 Minuten gebraucht. Ich hoffe, ich bin am 11 April auch hier, wenn die nette Frau das Formular wieder abholt. Ich habe keine Lust, €25000 Strafe zu zahlen.

Mittwoch, 23. März 2011

Upload- und Download-Geschwindigkeiten im Vergleich

Mit dem Google Public Data Explorer kann man wunderbar öffentlich zugängliche Daten über Zeiträume hinweg vergleichen und visualisieren. Zum Beispiel Broadband-Geschwindigkeiten. In den folgenden Grafiken habe ich Irland mit Deutschland und je dem Land mit der höchsten und der niedrigsten Verbindungsgeschwindigkeit in Europa verglichen.

Download-Geschwindigkeiten


Die Download-Geschwindigkeit: Deutschland liegt weit vorn und Irland im hinteren Drittel


Upload-Geschwindigkeiten


Die Upload-Geschwindigkeit: Deutschland liegt im Schnitt und Irland ist weit abgeschlagen

Die Verbindungsgeschwindigkeiten sind wichtige Indikatoren für die Wirtschaft, insbesondere für das Potential der Online-Wirtschaft eines Landes. Hohe Download-Geschwindigkeiten verweisen auf einen ausgeprägten Konsum von Online-Medien. Hohe Upload-Geschwindigkeiten hingegen ermöglichen eine große und kreative Teilhabe an der Gestaltung von Online-Medien. Rumänien überrascht hier natürlich.

Dienstag, 22. März 2011

Benzin in Irland: E10? Nie gehört!

Irische Tankstelle: Diesel und Super ("Unleaded"), sonst nichts
Während die Autofahrer in Deutschland garantiert das falsche Benzin tanken, verwirrt von all den Sorten (Super, Super Plus, E10, VPower, Ultimate...), gibt es in Irland einfach nur zwei: Diesel und Unleaded (unverbleit 95 octane - also unser Super). Da kann man eigentlich nichts falsch machen. Anders herum tun mir die Iren, die nach Deutschland fahren, jedoch Leid. Das versteht ja kein Mensch, was man da tanken soll.

Über die Preise beschweren sich die Iren natürlich auch, obwohl die mit 1,49 für Super noch ganz human sind, wenn man es mit den Deutschen Preisen vegleicht, die sich im Moment bei 1,60 befinden können. Diesel kostet in Irland zur Zeit rund 1,45. Die Unterschiede zwischen Super und Diesel sind hier nie sehr hoch.

Einen Überblick über die irischen Benzinpreise im Verglich mit den Preisen all der anderen EU-Länder, findet man auf der Website des AA, also des irischen ADACs.

Montag, 14. März 2011

Irland besteht auf ruinöser Steuerpolitik

Irland hat im entwickelten Europa mit 12,5% die niedrigsten Unternehmenssteuern. Zum Vergleich: Den nächst höheren Satz hat Polen mit 19%! Das restliche Europe blickt mit kopfschüttelndem Unverständnis auf Irland, dass sich trotz absolutem Staats- uns Bankenbankrott weiterhin weigert, die Steuern auch nur um einen Prozent anzuheben. Zuletzt heute in Gestalt des Finanzministers Michael Noonan, der sich mit Sarkozy und Trichet in Brüssel stritt. Und auch Merkel ist wenig begeistert. Es ist, als stünde da in aller Öffentlichkeit ein nackter Mann, der sich weigert, die Hosen hochzuziehen, die ihm um die Knöchel liegen. Verrückt und unanständig.

Verrückt, denn es könnte Irland aus der Patsche helfen, ohne dass man gleich so anziehen müsste, dass alle Firmen fluchtartig das Land verlassen würden. Denn auch mit 15% wäre Irland immer noch konkurrenzlos in Europa. Und unanständig ist es, denn die großen Firmen profitieren von den Bildungseinrichtungen und der Infrastruktur, die aus den Steuergeldern bezahlt werden müssten. Auf diese Art mag Irland genau das Gegenteil erreichen: Die jungen und gut gebildeten wandern aus und die Infrastruktur verfällt. Das macht ein Land für Arbeitgeber viel unattraktiver als ein moderater Steuersatz.

Wenn ich mit Iren darüber spreche oder die irischen Tageszeitungen lese, habe ich das Gefühl, dass es darum geht, verzweifelt das Gesicht zu waren und eben genau nicht das zu tun, was das große böse Europa mit den großen bösen Mächten Frankreich und Deutschland, dem kleinen grünen Rebellen aufzwingen will. Man sah das ja auch bei den irischen Abstimmung zum Vertrag von Lissabon. Mit diesem Minderwertigkeitskomplex, den die irische Regierung stellvertretend für sein Volk zur Schau trägt, macht man in der Runde der Großen auf Dauer jedoch keine gute Figur. Irland ist so klein, in vielerlei Hinsicht und seine Bewohner sind es auch. Eine Kollegin sagte mir: "Wir können diese niedrige Steuer nicht aufgeben. Das ist alles was wir haben!" Vielleicht wahr. Und ziemlich traurig, eigentlich.

Sonntag, 13. März 2011

Die Parabel von der Irischen Entschuldung

Die Zeiten sind hart, alle haben Schulden...
Hier ist eine kleine Geschichte, die man sich gerade in Irland erzählt:

Es ist ein langsam vergehender Tag in einem kleinen nassen Irischen Städtchen. Die Zeiten sind hart, alle haben Schulden, alle leben auf Kredit.

Am Hotel hält ein deutscher Wagen mit deutschem Kennzeichen. Ein Mann steigt aus und geht hinein. Er legt einen 100-Euro-Schein auf den Tresen und verlangt vom Hotelier Schlüssel zu den oberen Zimmern. Er möchte sich eins für die kommende Nacht aussuchen.

Als der deutsche Besucher nach oben entschwand, nahm der Hotelier die 100 Euro und zahlte seine Schulden an den Fleischer neben an zurück. Der rennt zum Schweinezüchter, um dort seine Schulden für das gelieferte Fleisch zu zahlen. Der Bauer läuft zum Futterbetrieb und gibt dort die 100 Euro ab, die er noch fürs Schweinefutter schuldet. Der Futterhändler läuft zum Pub, wo er endlich seine 100 Euro Trinkschulden zurückzahlt. Der Barmann schiebt den Schein einer Prostituierten zu, die es auch schwer hat, ihm aber ihre Dienste auf Kredit anbot. Die Prostituierte läuft zum Hotel und zahlt dem Besitzer die 100 Euro für die Zimmermiete, die sie noch schuldete.

Als der Deutsche wieder runter kommt, liegt der 100-Euro-Schein wieder auf dem Tresen. Etwas abgegriffen zwar, aber dennoch 100 Euro. Der Deutsche nimmt die 100 Euro und sagt, ihm gefielen die Zimmer nicht. Er steigt mit samt dem Geld in sein teures Auto und verlässt das Städtchen.

Niemand produzierte etwas und niemand verdiente etwas. Trotzdem sind die Einwohner des Städtchens nun entschuldet und sehen der Zukunft wieder mit ein bisschen Optimismus entgegen.

(Auf Englisch gelesen auf Jaded Isle)

Mittwoch, 9. März 2011

Organisiertes Verbrechen: Gangs of Dublin

Irische Gangster im Film (1998)
Dublin hat den Ruf, eine Stadt zu sein, in der nicht die Polizei das organisierte Verbrechen bekämpft, sondern in der sich die Gangmitglieder auf traditionelle gälische Art gegenseitig dezimieren. Schon die Wikinger zeigten sich im 10. Jahrhundert beeindruckt davon, dass die Iren sich lieber gegenseitig bekämpften, als gemeinsam gegen die neuen Eindringlinge vorzugehen.

Mindestens 17 Gangs - beziehungsweise Familien - soll es beispielsweise in Dublin geben. Seit 1998 wurden nur 23 Mörder verurteilt, aber rund 200 Morde in der irischen Szene begangen. Die Polizei hatte einerseits nie die Mittel und andererseits erspart sich das Land alle möglichen Kosten bei der Polizei, den Gerichten und dem Strafvollzug. Speziell in den Neunzigern blühte der Drogenhandel und die Bosse wussten nicht wohin mit dem ganzen Geld. Ohne Scheu vor der Öffentlichkeit kauften sie riesige Villen, Ländereien und Pferderennställe. Wenn mal jemand für ein paar Jahre in den Knast kam, ging es danach gleich weiter mit der Karriere oder man setzte sich ab in die Karibik. Die Gewinnspanne lag bei 800% und die einzigen Feinde waren die anderen Familien, die das gleiche Business betrieben.

Illustre Gangster wie The General Martin Cahill wurden legendär und kontrollierten den Handel von Heroin, Koks und Canabis in Dublin. Cahill, ein Familienvater und Taubenzüchter, der keinen Alkohol trank und keine Drogen konsumierte, wurde 1994 auf offener Straße angeblich von der IRA erschossen, da er die sonst übliche Kooperation mit dieser Organisation verweigerte. Cahill galt vielen als eine Art Robin Hood, war in Wirklichkeit jedoch ein brutal folternder Mörder, der seinen Rivalen gerne mal Nägel durch die Hände schlug oder die Ohren abschneiden ließ.

Der Welle der Gewalt in den Neunzigern folgten einige kurzfristige Erfolge, da man durch das neu gegründete Criminal Assets Bureau lernte, nicht die Gangster als Personen zu bekämpfen, sondern ihnen Geld und Besitz nahm. Daraufhin passte sich die Szene an und wurde dezenter und unauffälliger. Gelder wurden außer Landes gebracht oder gewaschen und nicht einfach auf den Kopp gekloppt.

Der irische Canabis-Handel soll mittlerweile in vietnamesischer Hand sein. Die Rezession half mit der Bereitstellung von billigen Mietshäusern, die in Gewächshäuser umgewandelt werden, sodass man günstig hochpotente Pflanzen vor Ort anbauen kann und sich den teuren und riskanten Schmuggel über das Meer erspart. Die Canabis-Szene ist im Moment eher gewaltfrei, Experten gehen jedoch davon aus, dass die wachsenden Gewinnspannen auch die irischen Familien anziehen wird - mit den absehbaren Folgen für die Vietnamesen.

Dienstag, 8. März 2011

Google kauft 3 Bürogebäude in Dublins Innenstadt

Die Internetfirma Google hatte gerade vor ein paar Wochen ein neu gebautes Bürogebäude für 99 Mio Euro gekauft und gab nun bekannt, dass es auch die bereits zuvor schon von der Firma für jährlich 8 Mio Euro gemieteten Bürogebäude auf der anderen Straßenseite für weitere 100 Mio Euro gekauft hat. Die National Asset Management Agency (eine Art Treuhand, die versucht den Schaden der geplatzten Immobilienblase durch Verkäufe einzudämmen) freute sich über den Verkauf des neu erbauten Bürokomplexes. Dank der dramatisch gesunkenen Preise ist es zwar immer noch ein Milliardengrab für den Steuerzahler, jedoch ist ein Verkauf zum leicht über dem Marktwert liegenden Preis ein kleiner Erfolg. Google war bereit den Preis zu zahlen, da das Gebäude strategischen Wert hat und auch als Investition zu sehen ist. Außerdem braucht die Firma dringend Platz für die bereits angekündigten neuen 1000 Mitarbeiter, die dieses Jahr noch eingestellt werden sollen. Wer die Büros von innen kennt, wird wissen, dass es zuletzt schon manchmal eng werden konnte.


Google Europe HQ, Gordon Street. Bewege das Bild mit der linken Maustaste oder gehe zur großen Kartenansicht

Am Wochenende las ich den interessanten und ausführlichen Artikel When Irish Eyes Are Crying. Er beschreibt hervorragend, wie ein vor Geldgier blinder Klüngel von einigen wenigen Immobilien- und Kreditspekulanten dieses Land in den Ruin getrieben hat. Natürlich nicht, ohne ein blindes Volk, das das Versprechen vom plötzlichem Reichtum ohne Gegenwert gerne geglaubt hat. Es fasziniert mich immer wieder, wie einfach die Erklärung ist: Künstlich in die Höhe getriebene Preise beförderten einen Bauboom, der viel zu viele Wohnraum für dieses Land mit seiner kleinen Bevölkerung produzierte. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich da stand, als ich vor einigen Jahren ankam und dachte: Wer soll in all diese Wohnungen ziehen? So viele Leute hat das Land gar nicht, selbst falls die Einwanderung anhalten sollte. Und dabei ist es geblieben: Geisterstädte überall. Die Einwanderer sind wieder nach Polen und Lettland abgezogen. So banal und einfach, dass es nicht einmal ein Studium braucht, um diese Fragen aufzuwerfen.

Sonntag, 27. Februar 2011

Spaziergang: 13 Kilometer Küste auf Howth


Gestern bin ich 13 Kilometer an der Irischen Küste entlang gelaufen. Es kam mir dabei zuweilen vor, als sei die Natur die schönste und einfachste Passform meines Geistes. Rechts von mir waren immer die Berge, links immer das Meer, oben der leere Himmel und unter mir der feste Boden. So einfach, vier Stunden lang. Ich ging in diesen unkomplizierten Strukturen komplett auf. Meine Gedanken entwirrten sich ohne mein Zutun. Als ich am Abend zurück kam, stellte ich fest, dass sich einige der Problemknäuel, die mir zuvor zu schaffen gemacht hatten, aufgelöst hatten. Ich erkannte meine Begrenztheit in Situationen, die ich vorher noch meinte, aktiv meistern zu müssen. Nun dachte ich: Es ist, wie es ist und was daraus wird, muss sich zeigen. Ich war nach den 13 Kilometern ganz schön fertig und schlief am Abend wie ein Baby. Mehr dazu auf Geist und Gegenwart.

Dienstag, 25. Januar 2011

Irische Steuern und Sozialabgaben für Arbeitnehmer

Auch nach den neusten Änderungen und Anhebungen im irischen Budget sind Steuern für Arbeitnehmer in Irland immer noch vergleichsweise günstig und unkompliziert. Im Folgenden findet sich eine kleine Übersicht, mit welchen Abzügen vom Lohnzettel im Jahr 2011 zu rechnen ist:

Sozialversicherungsbeiträge
  • Universal Social Charge wird zu 7% auf das gesamte Einkommen erhoben
  • Pay Related Social Insurance wird zusätzlich zu 4% auf das gesamte Einkommen erhoben
Einkommenssteuern
  • Jahresverdienst bis 32.800 € werden für Singles mit 20% versteuert, alles darüber mit 41% (2010 war die Grenze bei 36.400 €)
  • Alleinerziehende: 20% bis 36.800, darüber 41%
  • Verheiratete: 20% bis 41.800, darüber 41%

Steuernachlässe wurden generell um 10% reduziert, manche Nachlässe wie z.B. die für Mieter werden über die nächsten Jahre eingestellt.

Mehr zu den neuen Steuern für Arbeitnehmer findet man auf den Seiten des irischen Finanzamts Revenue. Sehr praktisch ist auch der online Steuer-Rechner von Deloitee.

Montag, 24. Januar 2011

Mobiles Internet in Irland

Huawei E1222 von Three.ie
Bei mobilen Broadband-Modems hat sich in letzter Zeit viel getan. Sie sind klein, preiswert und praktisch, wenn man mit dem Laptop auch unterwegs Internetzugang haben möchte. Mein erstes Modem dieser Art war von Vodafone, ziemlich groß und mit einem Kabel an den USB-Anschluss angebunden sah es eher aus, wie eine Maus. Neue Modems sehen nicht anders aus, als ein herkömmlicher USB-Memory-Stick. USB-Speicher ist eine Funktion, die heutige Modems zusätzlich auch noch erfüllen. Die Geschwindigkeit der Datenübertragung über diese Mobilfunknetze ist jedoch bescheiden. Aber auch hier wird der Fortschritt nicht halt machen.

Anbieter versuchen natürlich, möglichst viel Geld herauszuholen und ihre Kunden am besten per Vertrag über Jahre an sich zu binden. Als ich vor ein paar Monaten zurück nach Dublin kam, wollte ich mich aber nicht vertraglich binden, weil ich schlecht abschätzen konnte, wie lange ich hier bleiben wollte. Also klapperte ich die verschiedenen Anbieter ab: Vodafone, Meteor, O2 und Three. Entweder gab es nur Verträge oder die Modems waren überteuert. Three hatte das beste Angebot: 30 € für das Modem und dann "pay as you go", also ohne Vertrag, soviel zahlen, wie man verbraucht.

Linux? Viel Glück!
Soweit so gut die Theorie. Das Kundenerlebnis insgesamt ist jedoch eher frustrierend. Erst stellte sich heraus, dass diese Modems (in meinem Fall ein Huawei E1222) das Betriebssystem meines Laptops Linux nicht mögen. Man riet mir sogar ab, ein Modem zu kaufen, da es nicht laufen würde. Trotzig versuchte ich mein Glück. Mit etwas Recherche in Linux-Foren und viel hin und her zwischen dem indischen Kunden-Service, mir und dem Three-Laden in der Grafton Street (wo sie kein Vorführgerät hatten) und der Thomas Street gelang es mir jedoch, alles einzurichten. Die komplette Anleitung kann man in meinem Buzz Mission mobile broadband on Linux auf Englisch nachlesen.

Umständliches Aufladen der Kredite
Seit dem läuft alles hervorragend. Einzig und allein das Neukaufen von Krediten ist eine Schande. Zum einen dauert das zu lange. Erst logt man sich ein, die Seiten laden ewig, dann zahlt man zum Beispiel 20 €, dann wartet man mindestens 10 Minuten, bis das Geld im Konto gutgeschrieben ist. Am besten, man wechselt den Browser währenddessen, denn die Cookies scheinen zu erinnern, dass man kein Geld auf dem Konto hat, auch wenn man gerade bezahlt hat. Dann muss man mit dieser Gutschrift auf eine neue Seite gehen und hier entsprechende Services kaufen, also z.B. einen Monat Broadband, limitiert auf 1GB für 15 €. Dann wartet man wieder ewig. Der Kundenservice empfiehlt, das Modem zu entfernen und wieder anzuschließen. Wenn man Glück hat, geht alles nach 30 Minuten wieder.

Miese Preispolitik und armselige Website-Programmierung
Zum anderen ist da die Preispolitik, die einen unangenehmen Beigeschmack hat. Hat man hier wirklich die besten Interessen des Kunden im Auge? Und wenn nicht: Ist das kluge Unternehmenspolitik in einem Markt, der immer heftiger umkämpft ist? Folgende Optionen stehen zur Verfügung:

Sonntag, 23. Januar 2011

Dublin und Berlin im Google Books Ngram Vergleich

Mit dem neu entwickelten Google Books Ngram Viewer kann man sich wunderbare Vergleiche über das geschichtliche Vorkommen aller möglichen Begriffe in der Literatur verschiedener Sprachen als Graphen anzeigen lassen. Der unten stehende Graph zeigt zum Beispiel das Vorkommen der Wörter "Berlin" und "Dublin" zwischen 1890 und 2008 in der englischsprachigen Literatur im Vergleich.

Dublin und Berlin im Google Books Ngram Vergleich

Man sieht, dass Dublin unter britischer Herrschaft in der ersten Decade des 20 Jahrhunderts in Blüte stand. W.B. Yeats hatte 1898 die "Irish Literary Theatre Society" gegründet, das Theater war populär und die internationale Weltausstellung eröffnete 1907 in Dublin. Nach dem Abwärtstrend bis in die 20er Jahre im Schaten des 1. Weltkrieges, fängt sich die Kurve, als Yeats (1923) und George Bernard Shaw (1925) den Literatur Nobelpreis zugesprochen bekommen. Ins Tal der literarischen Bedeutungslosigkeit geht es mit Dublin dann im 2. Weltkrieg. 1969 erhält Samuel Beckett den Literatur Nobelpreis. Eine mögliche Erklärung für die Auferstehung um 1970? Ende der 90er Jahre macht Irland und damit die Hauptstadt als Weltwirtschaftswunder Karriere. Die Amplitude der Kurve zu dieser Zeit deckt sich mit dem Aufkommen des Begriffes Celtic Tiger.

Berlin hat um die erste Jahrhundertwende einen noch extremeren Ausschlag, die Expressionisten sind daran nicht ganz unschuldig. Natürlich geht es mit Berlin "aufwärts" (nur im Sinne dieser Kurve), als es Zentrum zweier Weltenbrände wird. Um die 60er Jahre gibt es eine Menge Literatur, die die Nazizeit aufbereitet und dann kommen die 68er Studentenproteste. Der kleine Hügel zum Fall der Mauer, sieht jedoch, gemessen an der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahre, etwas enttäuschend aus. Aber natürlich sind meine Interpretationen hier eher erste Spekulationen.

Der Google Books Ngram Viewer ist jedenfalls ein sehr kurzweiliges kleines Tool mit riesigem Potential für die Wissenschaft. Toll sind die Links zu Google Buchsuche Resultaten unter dem Graphen. Hier kann man mehr zum Books Ngram Viewer lernen.

Freitag, 21. Januar 2011

Irlands Jugend wandert aus

Das Expatforum (siehe auch Telepolis) hat ein paar Zahlen zu einem d er für Irland schlimmsten Aspekte der Krise zusammengefasst: Die massenhafte Auswanderung der Jugend.

27700 irische Staatsbürger wanderten zwischen April 2009 und April 2010 vor allem nach Australien, Kanada und den USA aus. Über die nächsten zwei Jahre werden sicher noch um die Hunderttausend Iren dazukommen. Zählt man alle Menschen, die wieder auswanderten, also auch vorher eingewanderte Polen, Deutsche, Letten und so weiter, dann kommt man auf 65300 Auswanderer für den Zeitraum von April 2009 bis April 2010. Das in einem Land, indem nur etwas mehr als im Großraum Berlin leben.

Bei einer Arbeitslosenquote von 13,4% wird den Jungen sogar offiziell dazu geraten, auszuwandern. Das schafft Erleichterung für die Jugend und entlastet kurz- bis mittelfristig auch die Sozialausgaben des Staates. Die langfristigen Folgen, die aus Innovationsverlust und Überalterung der Gesellschaft resultieren, sind nicht abzusehen.

Vielen Dank an NoodleGei für den Hinweis, der zu diesem Artikel führte.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Rezession vs Brot

Seit ein paar Tagen hatte ich in den Lebensmittelläden um mich herum vergeblich nach dem Blazing Salads Roggen Sauerteigbrot gesucht. Ich fing an, mir Sorgen zu machen, schließlich war es das einzige seiner Art, das in Dublin frisch gebacken und immer erhältlich war. Also schrieb ich eine E-Mail an das Familienunternehmen Blazing Salads:


Hi dear Blazing Salads,

I am a huge fan of your breads and recently noted that I cannot get them anymore in Dublin from my usual suppliers. I don't find them in FRESH supermarkets and my usual Donny Brook Fair on Baggot St told me they are not getting your bread in anymore, but were not able to tell me why.

Could you please clarify! Is that just a temporary disruption, a mere coincidence, are you shrinking your output or have you even stopped your bread production?

Kind regards,

Gilbert


Die traurige Antwort kam noch am selben Tag:


Hi Gilbert,

We have had to cease production of our breads in our bakery, with the result we cannot supply shops anymore. We have begun baking the bread daily in our deli, 42 Drury Street. Oven capacity is limited so if you are coming in to buy a loaf I suggest phoning either the day before or the morning of the day to have your bread put by for you. This will avoid disappointment. The number is 01-6719552.


Kind regards
 

Lorraine Fitzmaurice


Mit anderen Worten: Die einzige Firma, die es verstand, nach deutschen Maßstäben anständiges Brot in Dublin zu backen, droht vollständig der irischen Rezession zum Opfer zu fallen. Schade. Die Iren kaufen mehrheitlich wabbeliges blasses Toastbrot, ohne Nähr- oder Ballaststoffe. Und in einer Rezession haben die Preise von Blazing Salads (um 3,70€ pro 750g) sicher auch nicht geholfen. Ich denke aber, dass dieser Preis gerechtfertigt war, da die Qualität stimmte und die Rohstoffe als "organic" zertifiziert waren. Nun muss ich also sehen, dass ich besonders früh aufstehe, um ein Brot zu bekommen.

Sonntag, 16. Januar 2011

Frühling im Januar

Erste Blüten Mitte Januar
Gerade noch waren in Dublin die Wasserrohre zugefrohren und die Gehwege vereist, da sehe ich heute vor meiner Haustür die ersten Obstbäume blühen. Es war ein angenehm milder Tag mit Sonne und leichtem Wind. Aber Kirschblüten im Januar? Ist doch etwas früh.

Über Irlands Jahreszeiten wird viel gesagt, z.B. dass man täglich alle vier innerhalb von 24 Stunden erleben könne. Andere wieder sagen, Irland habe gar keine Jahreszeiten oder eben nur eine: regnerisch-windig. Fakt ist, dass Frühling und Sommer früher in Irland anfangen, als auf dem Festland. In zwei Wochen wird Imbolg (übersetzt: "im Bauch" - als Referenz an die trächtigen Mutterschafe) gefeiert, ein keltisches Fest, mit dem traditionell der Frühling begrüßt wird. Meteorologisch gerechnet unterscheiden sich die Jahreszeiten jedoch nicht von denen im Rest der Welt, so dass auch im Februar eigentlich noch Winter ist.

Stürmische Nacht

Blick aus meinem Fenster nach Mitternacht (mit ca. 8 Sekunden Belichtung), Dank an NoodleGei für die Nachbearbeitung

Samstag, 15. Januar 2011

Irelandtipps.com in tollem Smartphone-Format

Meine Kollegen von Blogger.com (siehe Blog-Artikel in Englisch) haben jetzt eine schöne Mobile-Vorlage für Smartphones programmiert, die ich natürlich sofort ausprobiere. Resultat: Dieser Blog ist jetzt auch in einem schönen Format für Android-Geräte, iPhones und alle anderen Smartphones zu lesen. Ich muss sagen, dass ich begeistert bin vom einfachen und sauberen Format, das die Navigation auf dem Blog sehr vereinfacht, ohne dabei große Kompromisse einzugehen.
Irelandtipps.com auf einem Android-Handy

Donnerstag, 13. Januar 2011

Best Irish Blogger?

Sieht so der beste Blog Irlands aus?
Laut Entertainment.ie ist ein Blog namens Ellie loves... der beste Blog der Insel. Der Untertitel ist "Musings of a Makeup Artist". Ein Blog, auf dem Ellie alles mögliche einfach nur kommentirert, vor allem Kosmetik, Mode und andere Entertainment-Produkte. Der Blog selbst hat so gut wie gar keinen Stil, nutzt einfach nur ein graues Blogger-Template mit den Default-Einstellungen. Ellie nutzt auch Labels - eine ganze Latte davon: Fast jeder Post scheint sein eigenes Label zu haben, was dann die Verwendung von Labels sinnlos macht.

Die Klientel von Entertainment.ie ist natürlich eine besondere: Sie ist eben an Entertainment und anderen seichteren Themen interessiert. Was mich jedoch wundert ist, dass vom nicht eben spektakulären Inhalt abgesehen solch ein buchstäblich grauer Blog überhaupt jemanden hinterm Ofen hervor lockt. Ich würde immer denken, dass gerade bei solchen wenig stimulierenden Inhalten wenigstens die Form aufregend sein müsste. Irgendwie ist das Ganze typisch irisch: Man vermisst jede Form von Raffinesse oder Kultiviertheit. Alles hinkt irgendwie 10 Jahre hinterher, besonders im "Irischen Internet".