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| Schilderhalter am Samstag in der Grafton Street |
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Im Mai 2011 bin ich nach 6 Jahren in Irland zurück nach Deutschland gezogen und habe diesen Blog eingestellt. Mein neuer Blog heißt Geist und Gegenwart und ist unter www.geistundgegenwart.de zu erreichen.
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Samstag, 2. April 2011
Wo Arbeitszeit verfügbar ist und Werbefläche knapp
Mittwoch, 9. März 2011
Organisiertes Verbrechen: Gangs of Dublin
| Irische Gangster im Film (1998) |
Mindestens 17 Gangs - beziehungsweise Familien - soll es beispielsweise in Dublin geben. Seit 1998 wurden nur 23 Mörder verurteilt, aber rund 200 Morde in der irischen Szene begangen. Die Polizei hatte einerseits nie die Mittel und andererseits erspart sich das Land alle möglichen Kosten bei der Polizei, den Gerichten und dem Strafvollzug. Speziell in den Neunzigern blühte der Drogenhandel und die Bosse wussten nicht wohin mit dem ganzen Geld. Ohne Scheu vor der Öffentlichkeit kauften sie riesige Villen, Ländereien und Pferderennställe. Wenn mal jemand für ein paar Jahre in den Knast kam, ging es danach gleich weiter mit der Karriere oder man setzte sich ab in die Karibik. Die Gewinnspanne lag bei 800% und die einzigen Feinde waren die anderen Familien, die das gleiche Business betrieben.
Illustre Gangster wie The General Martin Cahill wurden legendär und kontrollierten den Handel von Heroin, Koks und Canabis in Dublin. Cahill, ein Familienvater und Taubenzüchter, der keinen Alkohol trank und keine Drogen konsumierte, wurde 1994 auf offener Straße angeblich von der IRA erschossen, da er die sonst übliche Kooperation mit dieser Organisation verweigerte. Cahill galt vielen als eine Art Robin Hood, war in Wirklichkeit jedoch ein brutal folternder Mörder, der seinen Rivalen gerne mal Nägel durch die Hände schlug oder die Ohren abschneiden ließ.
Der Welle der Gewalt in den Neunzigern folgten einige kurzfristige Erfolge, da man durch das neu gegründete Criminal Assets Bureau lernte, nicht die Gangster als Personen zu bekämpfen, sondern ihnen Geld und Besitz nahm. Daraufhin passte sich die Szene an und wurde dezenter und unauffälliger. Gelder wurden außer Landes gebracht oder gewaschen und nicht einfach auf den Kopp gekloppt.
Der irische Canabis-Handel soll mittlerweile in vietnamesischer Hand sein. Die Rezession half mit der Bereitstellung von billigen Mietshäusern, die in Gewächshäuser umgewandelt werden, sodass man günstig hochpotente Pflanzen vor Ort anbauen kann und sich den teuren und riskanten Schmuggel über das Meer erspart. Die Canabis-Szene ist im Moment eher gewaltfrei, Experten gehen jedoch davon aus, dass die wachsenden Gewinnspannen auch die irischen Familien anziehen wird - mit den absehbaren Folgen für die Vietnamesen.
Dienstag, 8. März 2011
Google kauft 3 Bürogebäude in Dublins Innenstadt
Die Internetfirma Google hatte gerade vor ein paar Wochen ein neu gebautes Bürogebäude für 99 Mio Euro gekauft und gab nun bekannt, dass es auch die bereits zuvor schon von der Firma für jährlich 8 Mio Euro gemieteten Bürogebäude auf der anderen Straßenseite für weitere 100 Mio Euro gekauft hat. Die National Asset Management Agency (eine Art Treuhand, die versucht den Schaden der geplatzten Immobilienblase durch Verkäufe einzudämmen) freute sich über den Verkauf des neu erbauten Bürokomplexes. Dank der dramatisch gesunkenen Preise ist es zwar immer noch ein Milliardengrab für den Steuerzahler, jedoch ist ein Verkauf zum leicht über dem Marktwert liegenden Preis ein kleiner Erfolg. Google war bereit den Preis zu zahlen, da das Gebäude strategischen Wert hat und auch als Investition zu sehen ist. Außerdem braucht die Firma dringend Platz für die bereits angekündigten neuen 1000 Mitarbeiter, die dieses Jahr noch eingestellt werden sollen. Wer die Büros von innen kennt, wird wissen, dass es zuletzt schon manchmal eng werden konnte.
Google Europe HQ, Gordon Street. Bewege das Bild mit der linken Maustaste oder gehe zur großen Kartenansicht
Am Wochenende las ich den interessanten und ausführlichen Artikel When Irish Eyes Are Crying. Er beschreibt hervorragend, wie ein vor Geldgier blinder Klüngel von einigen wenigen Immobilien- und Kreditspekulanten dieses Land in den Ruin getrieben hat. Natürlich nicht, ohne ein blindes Volk, das das Versprechen vom plötzlichem Reichtum ohne Gegenwert gerne geglaubt hat. Es fasziniert mich immer wieder, wie einfach die Erklärung ist: Künstlich in die Höhe getriebene Preise beförderten einen Bauboom, der viel zu viele Wohnraum für dieses Land mit seiner kleinen Bevölkerung produzierte. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich da stand, als ich vor einigen Jahren ankam und dachte: Wer soll in all diese Wohnungen ziehen? So viele Leute hat das Land gar nicht, selbst falls die Einwanderung anhalten sollte. Und dabei ist es geblieben: Geisterstädte überall. Die Einwanderer sind wieder nach Polen und Lettland abgezogen. So banal und einfach, dass es nicht einmal ein Studium braucht, um diese Fragen aufzuwerfen.
Google Europe HQ, Gordon Street. Bewege das Bild mit der linken Maustaste oder gehe zur großen Kartenansicht
Am Wochenende las ich den interessanten und ausführlichen Artikel When Irish Eyes Are Crying. Er beschreibt hervorragend, wie ein vor Geldgier blinder Klüngel von einigen wenigen Immobilien- und Kreditspekulanten dieses Land in den Ruin getrieben hat. Natürlich nicht, ohne ein blindes Volk, das das Versprechen vom plötzlichem Reichtum ohne Gegenwert gerne geglaubt hat. Es fasziniert mich immer wieder, wie einfach die Erklärung ist: Künstlich in die Höhe getriebene Preise beförderten einen Bauboom, der viel zu viele Wohnraum für dieses Land mit seiner kleinen Bevölkerung produzierte. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich da stand, als ich vor einigen Jahren ankam und dachte: Wer soll in all diese Wohnungen ziehen? So viele Leute hat das Land gar nicht, selbst falls die Einwanderung anhalten sollte. Und dabei ist es geblieben: Geisterstädte überall. Die Einwanderer sind wieder nach Polen und Lettland abgezogen. So banal und einfach, dass es nicht einmal ein Studium braucht, um diese Fragen aufzuwerfen.
Sonntag, 27. Februar 2011
Spaziergang: 13 Kilometer Küste auf Howth
Gestern bin ich 13 Kilometer an der Irischen Küste entlang gelaufen. Es kam mir dabei zuweilen vor, als sei die Natur die schönste und einfachste Passform meines Geistes. Rechts von mir waren immer die Berge, links immer das Meer, oben der leere Himmel und unter mir der feste Boden. So einfach, vier Stunden lang. Ich ging in diesen unkomplizierten Strukturen komplett auf. Meine Gedanken entwirrten sich ohne mein Zutun. Als ich am Abend zurück kam, stellte ich fest, dass sich einige der Problemknäuel, die mir zuvor zu schaffen gemacht hatten, aufgelöst hatten. Ich erkannte meine Begrenztheit in Situationen, die ich vorher noch meinte, aktiv meistern zu müssen. Nun dachte ich: Es ist, wie es ist und was daraus wird, muss sich zeigen. Ich war nach den 13 Kilometern ganz schön fertig und schlief am Abend wie ein Baby. Mehr dazu auf Geist und Gegenwart.
Sonntag, 23. Januar 2011
Dublin und Berlin im Google Books Ngram Vergleich
Mit dem neu entwickelten Google Books Ngram Viewer kann man sich wunderbare Vergleiche über das geschichtliche Vorkommen aller möglichen Begriffe in der Literatur verschiedener Sprachen als Graphen anzeigen lassen. Der unten stehende Graph zeigt zum Beispiel das Vorkommen der Wörter "Berlin" und "Dublin" zwischen 1890 und 2008 in der englischsprachigen Literatur im Vergleich.
Man sieht, dass Dublin unter britischer Herrschaft in der ersten Decade des 20 Jahrhunderts in Blüte stand. W.B. Yeats hatte 1898 die "Irish Literary Theatre Society" gegründet, das Theater war populär und die internationale Weltausstellung eröffnete 1907 in Dublin. Nach dem Abwärtstrend bis in die 20er Jahre im Schaten des 1. Weltkrieges, fängt sich die Kurve, als Yeats (1923) und George Bernard Shaw (1925) den Literatur Nobelpreis zugesprochen bekommen. Ins Tal der literarischen Bedeutungslosigkeit geht es mit Dublin dann im 2. Weltkrieg. 1969 erhält Samuel Beckett den Literatur Nobelpreis. Eine mögliche Erklärung für die Auferstehung um 1970? Ende der 90er Jahre macht Irland und damit die Hauptstadt als Weltwirtschaftswunder Karriere. Die Amplitude der Kurve zu dieser Zeit deckt sich mit dem Aufkommen des Begriffes Celtic Tiger.
Berlin hat um die erste Jahrhundertwende einen noch extremeren Ausschlag, die Expressionisten sind daran nicht ganz unschuldig. Natürlich geht es mit Berlin "aufwärts" (nur im Sinne dieser Kurve), als es Zentrum zweier Weltenbrände wird. Um die 60er Jahre gibt es eine Menge Literatur, die die Nazizeit aufbereitet und dann kommen die 68er Studentenproteste. Der kleine Hügel zum Fall der Mauer, sieht jedoch, gemessen an der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahre, etwas enttäuschend aus. Aber natürlich sind meine Interpretationen hier eher erste Spekulationen.
Der Google Books Ngram Viewer ist jedenfalls ein sehr kurzweiliges kleines Tool mit riesigem Potential für die Wissenschaft. Toll sind die Links zu Google Buchsuche Resultaten unter dem Graphen. Hier kann man mehr zum Books Ngram Viewer lernen.
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| Dublin und Berlin im Google Books Ngram Vergleich |
Man sieht, dass Dublin unter britischer Herrschaft in der ersten Decade des 20 Jahrhunderts in Blüte stand. W.B. Yeats hatte 1898 die "Irish Literary Theatre Society" gegründet, das Theater war populär und die internationale Weltausstellung eröffnete 1907 in Dublin. Nach dem Abwärtstrend bis in die 20er Jahre im Schaten des 1. Weltkrieges, fängt sich die Kurve, als Yeats (1923) und George Bernard Shaw (1925) den Literatur Nobelpreis zugesprochen bekommen. Ins Tal der literarischen Bedeutungslosigkeit geht es mit Dublin dann im 2. Weltkrieg. 1969 erhält Samuel Beckett den Literatur Nobelpreis. Eine mögliche Erklärung für die Auferstehung um 1970? Ende der 90er Jahre macht Irland und damit die Hauptstadt als Weltwirtschaftswunder Karriere. Die Amplitude der Kurve zu dieser Zeit deckt sich mit dem Aufkommen des Begriffes Celtic Tiger.
Berlin hat um die erste Jahrhundertwende einen noch extremeren Ausschlag, die Expressionisten sind daran nicht ganz unschuldig. Natürlich geht es mit Berlin "aufwärts" (nur im Sinne dieser Kurve), als es Zentrum zweier Weltenbrände wird. Um die 60er Jahre gibt es eine Menge Literatur, die die Nazizeit aufbereitet und dann kommen die 68er Studentenproteste. Der kleine Hügel zum Fall der Mauer, sieht jedoch, gemessen an der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahre, etwas enttäuschend aus. Aber natürlich sind meine Interpretationen hier eher erste Spekulationen.
Der Google Books Ngram Viewer ist jedenfalls ein sehr kurzweiliges kleines Tool mit riesigem Potential für die Wissenschaft. Toll sind die Links zu Google Buchsuche Resultaten unter dem Graphen. Hier kann man mehr zum Books Ngram Viewer lernen.
Sonntag, 16. Januar 2011
Stürmische Nacht
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| Blick aus meinem Fenster nach Mitternacht (mit ca. 8 Sekunden Belichtung), Dank an NoodleGei für die Nachbearbeitung |
Donnerstag, 6. Januar 2011
Endlich: Fahrräder in Dublins S-Bahnen
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| Dublins DART |
Sonntag, 5. Dezember 2010
Grüner Tee vom weihnachtlichen Asia Market
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| Günstiger Tee aus Dublins Asia Market |
Grüner Tee ist der Hauptgrund, warum ich auch ohne Nashi ein regelmäßiger Kunde des Asia Marktes bin. Es gibt auch ein paar spezialisierte Teegeschäfte in Dublin, die jedoch bizarre Preise verlangen. Im Asia Market kaufe ich Oolong Tea, Yamamotoyamas Genmaicha und am liebsten einen japanischen Sencha von Kyotos UJInoTSUYU. Der is super frisch und von sehr guter Qualität. Wer glaubt, Sencha sei Sencha, unterliegt einem schweren Irrtum. Bei den meisten Tees gibt es riesige Unterschiede in der Qualität. Zumal Sen (neu) Cha (Tee) nichts darüber aussagt, wo dieser Tee angebaut wurde. In Dublins Asia Market kostet der Sencha so um die €4 pro 100 Gramm, die anderen Tees sind weit billiger.
Asia Market
18 Drury Street
Dublin 2
(01) 6779764
Sonntag, 24. Oktober 2010
Eine teure Zumutung: Wohnen in Dublin
Ich interessiere mich nicht wahnsinnig für Architektur, nur soweit sie mein Leben stark berührt. Wenn ich durch ein Neubauviertel fahre, dann interessiert sie mich nicht besonders. Architektur interessiert mich jedoch brennend, wenn ich in ihr leben muss. Und ich frage mich ernsthaft, warum wir in so furchtbarer Architektur leben müssen? Warum hat man meinen Lebensraum so geplant? So, dass er kalt und dunkel wie ein altes Berliner Zimmer ist? So, dass ich jedes Räuspern meines Nachbarn höre, seine Tritte über meinem Kopf, den Schwachsinn seines Fernsehgerätes? Warum hat man so gebaut, dass der Zigarettengeruch der Leute unter mir in meine Wohn- und Schlafzimmer dringt?
Warum ist meine Wohnung nicht sonnendurchflutet – hell und warm? Warum ist sie nicht schallgeschützt und ruhig, so dass man seinen Nachbarn freundlich grüßt, wenn man ihn im Treppenhaus trifft, weil man plötzlich realisiert, ach ja – der wohnt ja auch noch hier. Warum ist sie nicht isoliert und mit guten Lüftungssystemen ausgestattet, sodass es nicht gesundheitsgefährdent ist, in ihr zu leben?
Die Antwort ist banal: Die Substanz ist alt und von schlechter Qualität. Eine Modernisierung mit zusätzlichen Fenstern, Schallschutz und moderner Lüftung ist teuer. Ich bezahle jetzt schon für meine dunklen und nach Zigaretten stinkenden 36m² 650 Euro. Das heißt, dass ich für modernen und gesunden Wohnraum entweder noch viel mehr bezahlen müsste oder dass die Gewinnmarge meines Vermieters schrumpfen müsste.
Warum ist meine Wohnung nicht sonnendurchflutet – hell und warm? Warum ist sie nicht schallgeschützt und ruhig, so dass man seinen Nachbarn freundlich grüßt, wenn man ihn im Treppenhaus trifft, weil man plötzlich realisiert, ach ja – der wohnt ja auch noch hier. Warum ist sie nicht isoliert und mit guten Lüftungssystemen ausgestattet, sodass es nicht gesundheitsgefährdent ist, in ihr zu leben?
Die Antwort ist banal: Die Substanz ist alt und von schlechter Qualität. Eine Modernisierung mit zusätzlichen Fenstern, Schallschutz und moderner Lüftung ist teuer. Ich bezahle jetzt schon für meine dunklen und nach Zigaretten stinkenden 36m² 650 Euro. Das heißt, dass ich für modernen und gesunden Wohnraum entweder noch viel mehr bezahlen müsste oder dass die Gewinnmarge meines Vermieters schrumpfen müsste.
Samstag, 2. Oktober 2010
Google Street View in Irland
Endlich ist Google Street View auch in Irland verfügbar! Meine Nachbarn aus Dun Laoghaire haben sich gleich zünftig in Position geworfen, als der Kamerawagen um die Ecke bog. Hier das Resultat:
Street View kann aber auch für Touristen nützlich sein, z.B. um sich schon einmal das Hotel ankucken zu können, bevor man bucht. Oder für Leute die nach Irland ziehen und auf der Wohnungssuche schon mal vorher einen EIndruck von der Gegend zu gewinnen. im Ballinteer Drive in Dun Laoghaire-Rathdown würde ich wahrscheinlich lieber nichts kaufen oder mieten. Inzwischen sind wesentliche Körperteile der beiden Nachbarn übrigens vom Google Support Team verpixelt worden.
Street View kann aber auch für Touristen nützlich sein, z.B. um sich schon einmal das Hotel ankucken zu können, bevor man bucht. Oder für Leute die nach Irland ziehen und auf der Wohnungssuche schon mal vorher einen EIndruck von der Gegend zu gewinnen. im Ballinteer Drive in Dun Laoghaire-Rathdown würde ich wahrscheinlich lieber nichts kaufen oder mieten. Inzwischen sind wesentliche Körperteile der beiden Nachbarn übrigens vom Google Support Team verpixelt worden.
Montag, 20. September 2010
The Alliance - umsonst wohnen bei einem Kollegen
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| The Alliance |
Samstag, 4. September 2010
Die acht Essentials für prekäres Wohnen
Um das prekäre Wohnen halbwegs erträglich zu machen, braucht man seine ganz individuellen sieben Sachen. Oder acht in meinem Fall. An was muss man neben den selbstverständlichen Sachen wie Kleidung und Geld noch denken, um die Zivilisation selbst unter den widrigsten Bedingungen hoch zu halten? Anständig aus dem Koffer leben ist eine Kunst. Deswegen hier meine acht Essentials:
- Elektrische Zahnbürste und Rasierer. Auf keinen Fall dürfen nicht-elektrische, manuelle Rasierer oder Zahnbürsten mitgenommen werden. Das verstärkte nur den Eindruck vom prekärem Leben.
- Besteck. Besser noch als mein Reisebesteck wäre ein echtes Silberbesteck mit Elfenbeingriffen.
- Der Reise-Adapter. Klarer Fall!
- Ein gutes Buch. Am besten etwas romantisch-rebellisches wie hier von Edward Abbey. Da lernt man auch widrige Umstände schätzen.
- Der Laptop. Ohne verdummt man, hat einen Kontakt zur Außenwelt, sieht keine Nachrichten und wird von seinen Facebook-Freunden vergessen.
- Schlafmaske und Ohrenstöpsel. Ernsthaft: Ohne macht man kein Auge zu. Besonders in Dublin, wo die Sonne um 5 aufgeht und die nachbarlichen Alarmanlagen die ganze Nacht hindurch heulen. Exkurs: Alarmanlagen sind in Dublin überall, aber niemand nimmt sie ernst. Ich sah schon Polizisten an Banken vorbei schlendern, während über dem Eingang die Alarmanlage schrillte.
- Das Schweizer Taschenmesser in groß. Für das Brotschneiden, Bierflaschenöffnen, Korkenziehen, Büchsenknacken, für die Maniküre und die Fahrradreparatur.
- Das Wichtigste: der 0,5 l Thermobecher mit Teesieb. Ohne den gehe ich nirgends hin, denn ich bin kein Mensch, wenn ich morgens keinen ordentlichen Tee bekomme. Der Becher ist unkaputtbar und man kann selbst im Bett aus seiner kleinen Öffnung im Deckel trinken. Nachteil: Man muss bei der Flughafenkontrolle immer seine Tasche leeren, um zu zeigen, dass man in dem Becher wirklich nur eine Tüte losen Tees gestopft hat und keine Unze Marihuana.
Donnerstag, 2. September 2010
Prekäres Wohnen in Dublin
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| Zimmer in einem Dubliner B&B |
Danach zog ich in ein Zimmer bei einem Freund einer Freundin. Der hatte einen Hund und eigentlich war das alles OK, nur dass ich kein WG-Mensch bin und bald wieder auszog. Anschließend zog ich zu einem Ärzte-Ehepaar, deren Kinder alle auf Boarding Schools waren und deren riesiges Haus in der Morris Avenue daher fast leer stand. Nur Katzen und Papageien schrien den ganzen Tag über, während ich Klassenarbeiten korrigierte. Auch irgendwie bizarr.
In Berlin lebte ich einmal in der Christburger Straße in einer Einraum-Wohnung. Das Klo musste ich mir mit jemandem teilen und irgendwann bekam ich psychische Probleme, weil mich das alles so deprimierte.
In Dublin schlief ich zuerst mit 5 Bauarbeitern in einem Hostel. Ich machte kein Auge zu, es stank, quietschte, rülpste und pupste. Dann wohnte ich illegal mit drei anderen Gestalten in einem alten Bordell. Diese WG ging in die Brüche, weil die Hälfte der Leute (oh Wunder) kriminell war, Geld stahl und sich um Drogen kloppte. Außerdem waren uns die Vermieter auf den Fersen, denn ich zahlte zwar pro Monat 500 €, das Geld kam aber nie an. Dann lebte ich mit einem Kollegen in einer zu kleinen Wohnung bis ich meine Freundin kennen lernte. Wir zogen über Umwege dann endlich in ein schönes Haus. Im Frühsommer diesen Jahres verließen wir das Haus wieder, um durch Europa zu reisen.
Nun bin ich alleine noch einmal zurückgekehrt (wer weiß, wie lange) und suche nach einem Apartment, das halbwegs erschwinglich ist und keinen langfristigen Mietvertrag erfordert. Gute Apartments gehen bei 250 € pro Woche (!) los. Wenn man keinen Wert auf gute Standards und gute Lage legt, dann kann man auch was für 150 € pro Woche haben. Das ist eher mein Budget und bis ich das gefunden habe, tingle ich zwischen einer Pension (150 € pro Woche), dem Haus eines Freundes (0 €) und einem Hotel (50 € pro Nacht) hin und her.
Mein Zimmer in der Pension Blackstone House ist deprimierend: 10 m², alte Gardinen, eine Tür, die nicht richtig schließt, ein Mini-Kühlschrank, den ich nachts ausschalten muss, weil er zu laut zum Schlafen ist. Meine Kleider hängen mitten im Raum auf Bügeln von der Decke. Einrichtungsgegenstände (Lampen, Spiegel, Stuhl, Bett, Kleiderständer - kein Schrank) sind aus Restbeständen zusammengewürfelt. Natürlich ist es nachts laut und hell, wegen der Hauptstraße vor der Tür. Das Klo mit Duschzelle wurde offenbar später angefügt und durch eine Pappwand abgetrennt. Wenn ich abends nach Hause komme, muss ich immer an eine Zelle denken. Wenigstens habe ich ein Dach über dem Kopf. Halbwegs sauber ist es auch und die Leute sind freundlich. Die Gegend, Rathmines, ist auch ganz ok. Es gibt tausend Geschäfte, Wäschereien und Restaurants, es gibt inzwischen sogar ein Kino im Shoppingcenter. Zusmmengefasst: Es könnte schlimmer sein. Die Tränen kamen mir trotzdem während der ersten zwei Tage.
Freitag, 9. April 2010
Entwicklung des Irischen Immobilienmarktes
In Irland gibt es keine von staatlichen Organen erstellten Statistiken zum Wohnungs- und Immobilienmarkt, die in zufriedenstellenden Intervallen erscheinen.* Real-Time-Statistiken, die zur Verfügung stehen, sind nur möglich, weil alle Immobilien inzwischen über das Internet beworben werden und sort zum Verkauf oder zur Miete angeboten werden. Insbesondere die Website Daft.ie spielt hier eine entscheidende Rolle. Ohne diese Website gäbe es für Irland keine aussagekräftigen Statistiken zum Immobilienmarkt.
So gerne die Irische Regierung es auch möchte - die Krise ist nicht vorbei, im Gegenteil: Häuserpreise fallen weiter, im Schnitt sind sie seit dem Boom-Jahr 2007 in Dublin um bereits 40% gefallen. Seit Anfang 2009 sind die Preise um 18% gefallen, 3,4% in den ersten 3 Monaten dieses Jahres. Weitere 10 - 15% Nachlass über die nächsten 18 Monate sind wahrscheinlich, was dann heißen würde, dass Häuser, die 2007 gekauft wurden, nur noch die Hälfte wert sind. Im Moment sind Häuser in Dublin etwa 5 Monate auf dem Markt, bevor sie einen Käufer finden. Das ist lange für ein Land, in dem Wohnraum mieten die Ausnahme ist, kaufen dagegen die Regel. Der Durchschnittspreis für ein Haus in Irland liegt zur Zeit bei €234.000, ca. €120.000 oder 33% weniger als in 2007.
Den kompletten Report kann man hier als PDF auf Englisch lesen.
* Dieser Satz wurde am 10. April aufgrund eines Hinweises von NoodleGei geändert. Siehe auch die Comments unten.
(Grafik: Daft.ie)
So gerne die Irische Regierung es auch möchte - die Krise ist nicht vorbei, im Gegenteil: Häuserpreise fallen weiter, im Schnitt sind sie seit dem Boom-Jahr 2007 in Dublin um bereits 40% gefallen. Seit Anfang 2009 sind die Preise um 18% gefallen, 3,4% in den ersten 3 Monaten dieses Jahres. Weitere 10 - 15% Nachlass über die nächsten 18 Monate sind wahrscheinlich, was dann heißen würde, dass Häuser, die 2007 gekauft wurden, nur noch die Hälfte wert sind. Im Moment sind Häuser in Dublin etwa 5 Monate auf dem Markt, bevor sie einen Käufer finden. Das ist lange für ein Land, in dem Wohnraum mieten die Ausnahme ist, kaufen dagegen die Regel. Der Durchschnittspreis für ein Haus in Irland liegt zur Zeit bei €234.000, ca. €120.000 oder 33% weniger als in 2007.
Den kompletten Report kann man hier als PDF auf Englisch lesen.
* Dieser Satz wurde am 10. April aufgrund eines Hinweises von NoodleGei geändert. Siehe auch die Comments unten.
Freitag, 12. März 2010
Freitag, 5. März 2010
Montag, 1. Februar 2010
Samstag, 16. Januar 2010
Den Hahn zugedreht: Trinkwasserprobleme in Dublin, Irland
Heute haben wir noch immer kein Wasser, ohne dass wir die Pumpen betätigen. Der Wasserdruck ist einfach zu gering und je nachdem, wie hoch man sich befindet, hat man entweder das Problem, das man Wasser pumpen muss oder dass man eben an gar kein Wasser kommt. Und dieser Zustand wird für die nächste Zeit anhalten, so die verantwortlichen Behörden. Zusätzlich zur Wasserknappheit kommt also auch noch der steigende Energiebedarf durch die Pumpen in den Haushalten).
Warum - so mag man sich fragen - wird im regnerischen Dublin das Wasser für Privathaushalte abgestellt und warum müssen Leute mit Eimern an Tanklastern Schlange stehen, um an Trinkwasser zu kommen? Ist das nicht eher was, das man aus Gebieten mit extremer Dürre kennt?
Wasser gibt es hier genug, nur das in Seen aufgefangene Regenwasser dann in Trinkwasser umzuwandeln und zum Endverbraucher zu transportieren, das klappt nicht. Zum einen sind die Zisternen zu klein und zu alt, zum anderen sind die Leitungssysteme so porös, dass man keinen anständigen Wasserdruck anlegen kann, ohne dass alles auseinanderreißt. Schon ohne für Großstädte üblichen Wasserdruck verschwinden ca. 50% des Trinkwasser über das löchrige System im Untergrund.
Warum aber gerade jetzt, nach dem Frost und bei heftigem Regen? Zum einen ist aus vorgenannten Gründen Trinkwasser in Irland schon immer knapp. Wenn dann noch durch Frost und Tauwetter zusätzlich Wasser verloren geht, "kommt das Fass zum Überlaufen". Um das Einfrieren der Leitungen zu verhindern, riefen Versicherungen in den vergangenen Wochen dazu auf, das Wasser einfach laufen zu lassen, was den Verbrauch zusätzlich enorm erhöhte. Hinzu kam, dass die Behörden in der letzten Woche öffentlich vor Wasserknappheit warnten, was dazu führte, dass die Leute in Panik ausbrachen und viel mehr Wasser verbrauchten, als normalerweise. Täglich wurden 634 Mio Liter verbraucht, während der Normalwert bei 540 Mio Litern liegt. Dublins Trinkwassersystem arbeitet also dermaßen am Limit, dass die knapp 100 Mio Liter mehr pro Tag nicht bereitgestellt werden können. Um die Verschwendung zu stoppen und die Reservoirs wieder aufzufüllen, haben die Behörden also die Notbremse gezogen, den im wahrsten Sinne des Wortes Hahn zugedreht.
Hier ist der Originalttext vom County Council: http://www.dlrcoco.ie/faq
Dublin Fakten:
Warum - so mag man sich fragen - wird im regnerischen Dublin das Wasser für Privathaushalte abgestellt und warum müssen Leute mit Eimern an Tanklastern Schlange stehen, um an Trinkwasser zu kommen? Ist das nicht eher was, das man aus Gebieten mit extremer Dürre kennt?
Wasser gibt es hier genug, nur das in Seen aufgefangene Regenwasser dann in Trinkwasser umzuwandeln und zum Endverbraucher zu transportieren, das klappt nicht. Zum einen sind die Zisternen zu klein und zu alt, zum anderen sind die Leitungssysteme so porös, dass man keinen anständigen Wasserdruck anlegen kann, ohne dass alles auseinanderreißt. Schon ohne für Großstädte üblichen Wasserdruck verschwinden ca. 50% des Trinkwasser über das löchrige System im Untergrund.
Warum aber gerade jetzt, nach dem Frost und bei heftigem Regen? Zum einen ist aus vorgenannten Gründen Trinkwasser in Irland schon immer knapp. Wenn dann noch durch Frost und Tauwetter zusätzlich Wasser verloren geht, "kommt das Fass zum Überlaufen". Um das Einfrieren der Leitungen zu verhindern, riefen Versicherungen in den vergangenen Wochen dazu auf, das Wasser einfach laufen zu lassen, was den Verbrauch zusätzlich enorm erhöhte. Hinzu kam, dass die Behörden in der letzten Woche öffentlich vor Wasserknappheit warnten, was dazu führte, dass die Leute in Panik ausbrachen und viel mehr Wasser verbrauchten, als normalerweise. Täglich wurden 634 Mio Liter verbraucht, während der Normalwert bei 540 Mio Litern liegt. Dublins Trinkwassersystem arbeitet also dermaßen am Limit, dass die knapp 100 Mio Liter mehr pro Tag nicht bereitgestellt werden können. Um die Verschwendung zu stoppen und die Reservoirs wieder aufzufüllen, haben die Behörden also die Notbremse gezogen, den im wahrsten Sinne des Wortes Hahn zugedreht.
Hier ist der Originalttext vom County Council: http://www.dlrcoco.ie/faq
Dublin Fakten:
- Durchschnittlicher Pro-Kopf-Verbrauch (Privathaushalte): 150 Liter pro Tag (Deutschland: 125 Liter)
- Täglicher Verbrauch in Dublin: 540 Mio Liter pro Tag
- Ein Drittel der Wasserrohre sind über 70 Jahre alt
- 43% des Trinkwassers versickert im undichten Rohrsystem bevor es die Haushalte erreicht (restliche Irland: > 50%, Deutschland: < 5% )
- Kosten für Privathaushalte pro Kubik-Meter: 0 € (Deutschland: € 1.85 pro m³)
Klingt wie ein Witz: Wasser wird in Irland knapp
Heute haben sie bei mir in der Gegend das Wasser abgestellt. Auf der Website der Wasserbetriebe heißt es dazu ganz lapidar: "Aufgrund der allgemeinen Wasserknappheit wird in ihrem Wohngebiet das Wasser ab Freitag 18:00 Uhr für 24 Stunden abgestellt."
Währenddessen schüttet es draußen wie aus Eimern. Auch gut: Denn so kann ich meine Wassereimer draußen in den Garten stellen. Hoffentlich fliegen sie über Nacht bei dem Sturm nicht weg. Sonst kann ich morgen früh nichts die Toilette runterspülen und der Hund hat auch nix zu saufen.
Währenddessen schüttet es draußen wie aus Eimern. Auch gut: Denn so kann ich meine Wassereimer draußen in den Garten stellen. Hoffentlich fliegen sie über Nacht bei dem Sturm nicht weg. Sonst kann ich morgen früh nichts die Toilette runterspülen und der Hund hat auch nix zu saufen.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Irish rodeln – eine Insel im Ausnahmezustand
Von wegen Globale Erwärmung. Bullshit! Daran ist vermutlich der Vertrag von Lissabon Schuld. Dem hätten wir Iren nie zustimmen dürfen. Jetzt haben wir den Schaden und dasselbe scheißkalte Wetter wie Kontinentaleuropa.
Ich weiß, angeblich ist die Lage bei Ihnen auf dem Kontinent zur Zeit widrig. Aber kommen Sie mal zu uns nach Irland! Der Schnee steht uns bis zum Hals. Pro Tag fallen hier sagenhafte 5 bis 10 cm Neuschnee. Die Durchschnittstemperatur der letzten Wochen liegt bei eisigen 2 Grad. Minus! Das hat es seit 1982 nicht mehr gegeben. Folgerichtig hat die Regierung den Ausnahmezustand erklärt. Schulen schließen, Busse stehen still, der Flughafen ist dicht. Freitag früh fiel der Strom in unserem Stadtviertel aus, weil die Leute volle Pulle mit ihren Elektroheizern schlafen. Telefone gehen selbstverständlich nicht mehr und sogar die heiligen Gealic-Sports-Veranstaltungen wurden abgesagt. Ja, die Armee musste ausrücken, um gegen die zwei Minusgrade zu kämpfen. Dieser Winter ist schlimmer als es die IRA jemals war.
Auch der DART ist hoffnungslos überlastet, weil die Werktätigen auf dem Weg zur Arbeit aufs Auto verzichten. Große und kleine Firmen haben deshalb ihre Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben. Das ist immer noch besser, als bei -2 °C öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Viele Straßen mussten gesperrt werden, weil es kein Salz mehr gibt. Ich sah zwei Polizisten, die in der Innenstadt den Bürgersteig salzten. Mit 500 Gramm Speisesalz, das sie sich aus dem Supermarkt besorgt hatten. Inzwischen hat man 25000 Tonnen Steinsalz aus Polen und Litauen angefordert. Ob das rechtzeitig ankommt, muss zitternd abgewartet werden. Es kommt jedenfalls zu spät für die Müllabfuhr. Die hatte mir eine SMS geschickt, dass ich mir keine Hoffnungen machen solle.
Die Warteräume der Krankenhäuser sind überfüllt. Und nicht wegen Schweinegrippe. Es gibt 70% mehr Unfälle auf Straßen und Gehwegen. Verkehrsminister Dempsey war seit Jahresende verschwunden - wie von der Lawine verschluckt. Keiner wusste, wo er steckte und wann er wiederkommen würde. Oder ob! Bis er sich letzte Woche von einem Golfplatz in Malta meldete und den Umweltminister Gormley zum Minister of Snow kürte. Ein cleverer Zug übrigens, denn der letzte Minister of Snow Michael O'Leary musste im Frühjahr 1982 gehen, nachdem die 10 cm Schnee getaut waren und überall im Land das Vieh auf den überschwemmten Weiden ersoffen war. Diesen Winter sind bereits irische Kartoffeln im Wert von 15 Millionen Euro erfroren. Das weckt schlimme Erinnerungen. Steht die nächste Hungersnot bevor? Müssen wir alle nach Amerika auswandern?
Die Politik wirft den Bürgern unterdessen vor, jeden "Appetit auf Selbsthilfe" in einer solchen Krise verloren zu haben. Anstatt eine Schippe Sand in die Hand zu nehmen, erwarteten sie, dass der Premierminister persönlich zu ihnen nach Hause komme und den Bürgersteig vom Eise befreie. Bunch of Pussies! Ich soll nicht immer fragen, was die Müllabfuhr für mich tun kann. Ja, ich kann meinen Müll auch aufessen, anstatt mich immer nur zu beklagen.
Die einzige Hoffnung kommt – wie so oft – von unseren Kleinen. Die packen die Winter-Krise von der richtigen Seite an und rodeln was das Zeug hält. Jeder dreckig mit Raureif überzogene Hügel wird da zur Piste. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Schlitten in Irland noch gar nicht erfunden ist. Für viele Tweens ist es das erste Mal Schnee in ihrem Leben. Also rodeln sie auf allem, was nicht angeschweißt ist: Mülltonnendeckel, Straßenschilder, Wahlplakate, halbe Koffer oder einfach nur ein Stück Pappe. Aber sehen Sie selbst...
Ich weiß, angeblich ist die Lage bei Ihnen auf dem Kontinent zur Zeit widrig. Aber kommen Sie mal zu uns nach Irland! Der Schnee steht uns bis zum Hals. Pro Tag fallen hier sagenhafte 5 bis 10 cm Neuschnee. Die Durchschnittstemperatur der letzten Wochen liegt bei eisigen 2 Grad. Minus! Das hat es seit 1982 nicht mehr gegeben. Folgerichtig hat die Regierung den Ausnahmezustand erklärt. Schulen schließen, Busse stehen still, der Flughafen ist dicht. Freitag früh fiel der Strom in unserem Stadtviertel aus, weil die Leute volle Pulle mit ihren Elektroheizern schlafen. Telefone gehen selbstverständlich nicht mehr und sogar die heiligen Gealic-Sports-Veranstaltungen wurden abgesagt. Ja, die Armee musste ausrücken, um gegen die zwei Minusgrade zu kämpfen. Dieser Winter ist schlimmer als es die IRA jemals war.
Auch der DART ist hoffnungslos überlastet, weil die Werktätigen auf dem Weg zur Arbeit aufs Auto verzichten. Große und kleine Firmen haben deshalb ihre Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben. Das ist immer noch besser, als bei -2 °C öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Viele Straßen mussten gesperrt werden, weil es kein Salz mehr gibt. Ich sah zwei Polizisten, die in der Innenstadt den Bürgersteig salzten. Mit 500 Gramm Speisesalz, das sie sich aus dem Supermarkt besorgt hatten. Inzwischen hat man 25000 Tonnen Steinsalz aus Polen und Litauen angefordert. Ob das rechtzeitig ankommt, muss zitternd abgewartet werden. Es kommt jedenfalls zu spät für die Müllabfuhr. Die hatte mir eine SMS geschickt, dass ich mir keine Hoffnungen machen solle.
Die Warteräume der Krankenhäuser sind überfüllt. Und nicht wegen Schweinegrippe. Es gibt 70% mehr Unfälle auf Straßen und Gehwegen. Verkehrsminister Dempsey war seit Jahresende verschwunden - wie von der Lawine verschluckt. Keiner wusste, wo er steckte und wann er wiederkommen würde. Oder ob! Bis er sich letzte Woche von einem Golfplatz in Malta meldete und den Umweltminister Gormley zum Minister of Snow kürte. Ein cleverer Zug übrigens, denn der letzte Minister of Snow Michael O'Leary musste im Frühjahr 1982 gehen, nachdem die 10 cm Schnee getaut waren und überall im Land das Vieh auf den überschwemmten Weiden ersoffen war. Diesen Winter sind bereits irische Kartoffeln im Wert von 15 Millionen Euro erfroren. Das weckt schlimme Erinnerungen. Steht die nächste Hungersnot bevor? Müssen wir alle nach Amerika auswandern?
Die Politik wirft den Bürgern unterdessen vor, jeden "Appetit auf Selbsthilfe" in einer solchen Krise verloren zu haben. Anstatt eine Schippe Sand in die Hand zu nehmen, erwarteten sie, dass der Premierminister persönlich zu ihnen nach Hause komme und den Bürgersteig vom Eise befreie. Bunch of Pussies! Ich soll nicht immer fragen, was die Müllabfuhr für mich tun kann. Ja, ich kann meinen Müll auch aufessen, anstatt mich immer nur zu beklagen.
Die einzige Hoffnung kommt – wie so oft – von unseren Kleinen. Die packen die Winter-Krise von der richtigen Seite an und rodeln was das Zeug hält. Jeder dreckig mit Raureif überzogene Hügel wird da zur Piste. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Schlitten in Irland noch gar nicht erfunden ist. Für viele Tweens ist es das erste Mal Schnee in ihrem Leben. Also rodeln sie auf allem, was nicht angeschweißt ist: Mülltonnendeckel, Straßenschilder, Wahlplakate, halbe Koffer oder einfach nur ein Stück Pappe. Aber sehen Sie selbst...
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