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Im Mai 2011 bin ich nach 6 Jahren in Irland zurück nach Deutschland gezogen und habe diesen Blog eingestellt. Mein neuer Blog heißt Geist und Gegenwart und ist unter www.geistundgegenwart.de zu erreichen.

Donnerstag, 2. September 2010

Prekäres Wohnen in Dublin

Zimmer in einem Dubliner B&B
Seit ich 2002 in die Welt hinaus zog (um eine Mann zu werden oder so), hatte ich immer wieder äußerst interessante Unterkünfte - mehr oder weniger temporär. In Providence, USA schlief ich erst auf dem Boden des German Institutes der Brown University.

Danach zog ich in ein Zimmer bei einem Freund einer Freundin. Der hatte einen Hund und eigentlich war das alles OK, nur dass ich kein WG-Mensch bin und bald wieder auszog. Anschließend zog ich zu einem Ärzte-Ehepaar, deren Kinder alle auf Boarding Schools waren und deren riesiges Haus in der Morris Avenue daher fast leer stand. Nur Katzen und Papageien schrien den ganzen Tag über, während ich Klassenarbeiten korrigierte. Auch irgendwie bizarr.

In Berlin lebte ich einmal in der Christburger Straße in einer Einraum-Wohnung. Das Klo musste ich mir mit jemandem teilen und irgendwann bekam ich psychische Probleme, weil mich das alles so deprimierte.

In Dublin schlief ich zuerst mit 5 Bauarbeitern in einem Hostel. Ich machte kein Auge zu, es stank, quietschte, rülpste und pupste. Dann wohnte ich illegal mit drei anderen Gestalten in einem alten Bordell. Diese WG ging in die Brüche, weil die Hälfte der Leute (oh Wunder) kriminell war, Geld stahl und sich um Drogen kloppte. Außerdem waren uns die Vermieter auf den Fersen, denn ich zahlte zwar pro Monat 500 €, das Geld kam aber nie an. Dann lebte ich mit einem Kollegen in einer zu kleinen Wohnung bis ich meine Freundin kennen lernte. Wir zogen über Umwege dann endlich in ein schönes Haus. Im Frühsommer diesen Jahres verließen wir das Haus wieder, um durch Europa zu reisen.

Nun bin ich alleine noch einmal zurückgekehrt (wer weiß, wie lange) und suche nach einem Apartment, das halbwegs erschwinglich ist und keinen langfristigen Mietvertrag erfordert. Gute Apartments gehen bei 250 € pro Woche (!) los. Wenn man keinen Wert auf gute Standards und gute Lage legt, dann kann man auch was für 150 € pro Woche haben. Das ist eher mein Budget und bis ich das gefunden habe, tingle ich zwischen einer Pension (150 € pro Woche), dem Haus eines Freundes (0 €) und einem Hotel (50 € pro Nacht) hin und her.

Mein Zimmer in der Pension Blackstone House ist deprimierend: 10 m², alte Gardinen, eine Tür, die nicht richtig schließt, ein Mini-Kühlschrank, den ich nachts ausschalten muss, weil er zu laut zum Schlafen ist. Meine Kleider hängen mitten im Raum auf Bügeln von der Decke. Einrichtungsgegenstände (Lampen, Spiegel, Stuhl, Bett, Kleiderständer - kein Schrank) sind aus Restbeständen zusammengewürfelt. Natürlich ist es nachts laut und hell, wegen der Hauptstraße vor der Tür. Das Klo mit Duschzelle wurde offenbar später angefügt und durch eine Pappwand abgetrennt. Wenn ich abends nach Hause komme, muss ich immer an eine Zelle denken. Wenigstens habe ich ein Dach über dem Kopf. Halbwegs sauber ist es auch und die Leute sind freundlich. Die Gegend, Rathmines, ist auch ganz ok. Es gibt tausend Geschäfte, Wäschereien und Restaurants, es gibt inzwischen sogar ein Kino im Shoppingcenter. Zusmmengefasst: Es könnte schlimmer sein. Die Tränen kamen mir trotzdem während der ersten zwei Tage.

Kommentare:

  1. Nachtrag: Ich bin ein Gewohnheitsmensch. Ich kann mich an vieles gewöhnen, eben auch an Zellen. Und ich denke, so geht es vielen Verurteilten: Sie beziehen eine Zelle unter Schmerzen und Heimweh. Und wenig später ist diese Zelle ihr Heim geworden. Hier sind sie sicher, haben ihre sieben Sachen und Privatsphäre. Wenn sie wieder raus in die Freiheit müssen, kommt der Schmerz zurück.

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  2. Ich habe dieses interessante Blog von dir gerade erst entdeckt, darum verzeih mir bitte die Frage: Warum wohnst du in einem dich deprimierenden Zimmer? In Irland bist du doch, um für Google zu arbeiten, oder? Gibt es zu wenige Wohnungen mit gutem Preis-Leistungsverhältnis?

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  3. Ich habe dort gewohnt, um eine Wohnung zu finden... Und, ja! Deine Vermutung ist richtig, siehe hier:

    http://www.irelandtipps.com/2010/10/eine-teure-zumutung-wohnen-in-dublin.html

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